Wilhelmsbrücke

Weg mit den kriminellen Willis!

tl;dr: Dass es in Bad Kreuznach noch Straßen gibt, die nach preußischen Kriegsverbrecher- und Mörder-Monarchen benannt sind, ist schlecht. Weg damit!

Warum hat Bad Kreuznach eigentlich keine Bashir-Al-Assad-Straße? Oder eine Pol-Pot-Brücke? Eine Idi-Amin-Allee oder eine Generalissimo-Franco-Gasse wäre auch was. Auch einen Radovan-Karadžić-Platz sucht man vergebens. Wahrscheinlich deshalb, weil Bad Kreuznach in Sachen Straßennamen für Mörder und Kriegsverbrecher bereits gut bestückt ist: Allein die Kaiser-Wilhelm-Straße und die Wilhelmstraße reichen da schon völlig aus.

Auch wenn die Namensgebung verwirren mag: Beide Straßen sind nach deutschen Kaisern benannt. Die Wilhelmstraße, die vom Bahnhof über die Wilhelmsbrücke bis ans Stadthaus führt, nach Kaiser Wilhelm II., die Kaiser-Wilhelm-Straße, die von der Innenstadt durchs Kurviertel auf die Roseninsel führt, nach seinem Großvater, Kaiser Wilhelm I., zuvor Wilhelm I., König von Preußen, zuvor Wilhelm, Prinz von Preußen, auch bekannt als der Kartätschenprinz.

Kaiser Wilhelm II. gilt heute wegen seiner Impulsivität, seines Wankelmuts, aber auch seiner Zustimmung zu den damals schon eher großdeutschen Annexionsplänen (Kreuznacher Programm), der Flotten- und anderweitigen Aufrüstung eindeutig als einer der Hauptschuldigen für den Ersten Weltkrieg. So schreibt Historiker Fritz Fischer in „Griff nach der Weltmacht“ 1961: „„Da Deutschland den österreichisch-serbischen Krieg gewollt, gewünscht und gedeckt hat und, im Vertrauen auf die deutsche militärische Überlegenheit, es im Jahre 1914 bewusst auf einen Konflikt mit Russland und Frankreich ankommen ließ, trägt die deutsche Reichsführung einen erheblichen Teil der historischen Verantwortung für den Ausbruch eines allgemeinen Krieges.“ Ergebnis: 17 Millionen Tote. Antisemit und Antidemokrat war Willi Zwo sowieso. Und nach so einem benennen wir eine Straße?

Sein Großvater, Kaiser Wilhelm I., nach dem die Kaiser-Wilhelm-Straße benannt ist, der gilt doch aber als ein Netter, ein Guter, oder? Schließlich gibt es gar das Lied „Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wiederhaben“. Vielleicht war’s einfach nur gezeigte Altersmilde, die ihm solche Ehrbezeichnungen eintrug. Als junger Prinz von Preußen jedenfalls hatte er einen anderen Beinamen: Der Kartätschenprinz. Eine Kartätsche ist ein Salvengeschütz, auch Orgelkanone genannt. Sie hat mehrere Läufe, die man gleichzeitig zünden kann und ist damit gut geeignet zur Bekämpfung von Aufständen. Den Beinamen Kartätschenprinz erhielt der junge Prinz Wilhelm, als er sich im Revolutionsjahr 1848/49 für eine gewaltsame Niederschlagung der demokratischen Revolution aussprach und sich damit inhaltlich voll und ganz hinter seinem älteren Bruder, den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., stellte.

Besser wäre es, man würde die Kaiser-Wilhelm-Straße in Ferdinand-Freiligrath-Straße umbenennen. Der Dichter Freiligrath war es, der den 270 demokratischen Revolutionären, die Preußens Regierung am 18. und 19. März 1848 niederschießen ließ, mit dem Gedicht „Die Todten an die Lebenden“ ein literarisches Denkmal setzte. Als Ersatz für Kaiser Wilhelm II., den Namensgeber der Wilhelmstraße, würde sich stattdessen der spätere Reichsfinanzminister Matthias Erzberger anbieten. Erzberger wandelte sich vom Kriegsbefürworter zum Kritiker, unterzeichnete notgedrungen den Friedensvertrag von Versailles und wurde schließlich von rechtsextremen Terroristen ermordet. Selbstverständlich kämen auch andere Namensgeber in Betracht. Nur macht endlich diese kriminellen Willis weg!

 

Foto der Wilhelmsbrücke: Stefan Butz

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