Kuba

Tschüssi, Erich Honecker des Südens! Tschüssi, Restverstand …

tl;dr: Castro ist tot. Revolutionsromatikkitsch ist es leider nicht.

Ein alter Mann ist gestorben. Das ist möglicherweise unschön für ihn, jedoch durchaus ein positives Zeichen für all jene, die unter ihm litten. Doch die deutsche Linke dreht gerade komplett auf sentimental: Da werden dem Herrn Castro (Nee, Genosse geht schon mal gar nicht) wärmste Worte nachgerufen, gefühlige „mach’s gut“-Botschaften allerorten. Das hat er nicht verdient.


Ja, Fidel Castro hat zusammen mit der Schattenriss-Ikone Ernesto Guevara in Kuba vor gefühlt ewigen Zeiten das widerwärtige Batista-Regime verjagt. Er hat allen Kubanern Zugang zu einem funktionierenden Gesundheits- und einem funktionierenden Bildungssystem gegeben. Das war es auf der Habenseite. Wobei das schon ganz schön viel an Lebensleistung ist. Und Fidel Castro wäre uneingeschränkt zu feiern, hätte er nur das getan. Hat er aber nicht.

Er hat, zugegeben aus Gegnerschaft mit den Batista-Freunden in Washington, ein repressives, staatssozialistisches System nach osteuropäischem Vorbild aufgebaut. Das heißt: keine Meinungsfreiheit, keine freien Medien, immer noch stark eingeschränkte Reisefreiheit, kein Briefgeheimnis, keine Sicherheit der eigenen Wohnung, eingeschränkte Religionsfreiheit, Einparteienherrschaft, keine Herrschaft des Rechts, keine unabhängige Justiz, politische Gefangene.

Und den feiert ihr? Ernsthaft? Einen Erich Honecker des Südens? Der wie Honecker beim Aufbau eines in vielem beschissenen Systems mithalf, das mit Freiheit und Demokratie gar nichts und mit Sozialismus auch nicht gar zu viel zu tun hatte? Aber Honecker (kein siegreicher Revolutionär, dafür aber aktiver Antifaschist in der NS-Zeit) trat halt nicht im grünen Kampfanzug auf, war nicht für seinen Machismo bekannt, wurde selten mit einer dicken Zigarre im Mund gesehen und herrschte über Bitterfeld, Anklam und Hoyerswerda statt über eine traumhaft schöne Karibikinsel.

Mit ein bisschen Revolutionsromantikkitsch, Palmen und Sandstrand wird da  jeglicher kritische Gedanke zum jüngst Verblichenen verblasen. Tschüssi, Fidel, tschüssi Restverstand.

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