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Brexit. Trump. Schlimmer?

Brexit. Trump. Du glaubst, es geht nicht schlimmer? Wart’s ab.

Ein Horrorszenario:

Januar:
Die Türkei führt nun auch offiziell eine nur schlecht als Präsidialdemokratie verkleidete Diktatur ein, die Todesstrafe wird wieder eingeführt. PKK-Führer Abdullah Öcalan ist einer der ersten, die hingerichtet werden. Der Bürgerkrieg in Kurdistan nimmt an Intensität zu. In Deutschland gibt es vermehrt Straßenschlachten zwischen Erdogan-Freunden und Erdogan-Gegnern. Die AfD schlachtet dies für ihre Propaganda genüsslich aus. Nachdem die österreichische Präsidentenwahl wegen einer erneuten Panne wieder verschoben werden musste, steht erst im Januar fest: FPÖ-Mann Norbert Hofer wird Bundespräsident.


Februar:
Das, was schon lange prognostiziert wird, tritt ein: Die italienischen Banken crashen. Italien wird von der EU ein strenges Austeritätsregime auferlegt. Die Regierung Renzi tritt zurück. Der Bankensektor kommt wieder weltweit in die Krise, die Deutsche Bank, die bereits zuvor angeschlagen war, überlebt das beinahe nicht: Sie muss aus Steuergeldern gerettet werden. Präsident Trump lässt amerikanische Banken ohne jegliche staatliche Abfederung bankrott gehen. Die Börsen sind für Wochen im freien Fall, die Weltwirtschaft ist kräftig angeschlagen, die deutschen Exporte brechen ein, die Arbeitslosigkeit droht, anzusteigen. In den USA beginnt Präsident Trump, illegale Immigranten in Abschiebehaft zu nehmen.

März:
In den französischen Präsidentschaftswahlen tritt das ein, was keiner vorausgesagt hat: Es wird keine Stichwahl geben. Marine Le Pen hat im ersten Wahlgang gewonnen. Frankreich wird faschistisch. Le Pen kündigt an, aus der Nato komplett auszutreten. Ebenso aus der EU. Die Visegrad-Staaten beraten ebenfalls über einen EU-Austritt. Nachdem das Parlament der Regierung May alle Vollmachten gegeben hat, tritt Großbritannien endgültig aus der EU aus. Schottland kündigt für September ein zweites Unabhängigkeitsreferendum an. In London will man dies nicht zulassen. In den Niederlanden gewinnt Geert Wilderd Partij voor de Vrijheid die Parlamentswahlen und wird stärkste Kraft.

April:
Nachdem zuerst Polen und Ungarn einen EU-Austritt angekündigt haben, ziehen wenige Wochen später auch Tschechien und die Slowakei nach. Die Europäische Union ist damit de facto Geschichte. Kommissionspräsident Juncker tritt zurück, EZB-Präsident Mario Draghi wird gezwungen, den Euro abzuwickeln und nationale Währungen wieder einzuführen. Die Bundeswehr sichert die deutschen Außengrenzen. Die Bundesregierung führt wieder Grenzkontrollen ein. In den USA werden die Grenzanlagen entlang der mexikanischen Grenze verstärkt.

Mai:
Die deutsche Wirtschaft erleidet schwere Einbrüche. Die Arbeitslosigkeit steigt rasant auf 18 Prozent. In Österreich lässt Präsident Hofer Neuwahlen für August ansetzen. In den USA kündigt Präsident Trump TTIP, TPP und auch das bereits bestehende nordamerikanische NAFTA-Abkommen. Importe aus Mexiko und China werden mit hohen Zöllen belegt. China reagiert mit Strafzöllen für amerikanische Waren. Russlands Präsident Putin bietet den USA in einem Vorschlag für ein bilaterales Abkommen Entgegenkommen in wirtschaftlichen wie militärischen Fragen an. Im Baltikum und Polen spekuliert man über mögliche Geheimverhandlungen der beiden Großmächte.

Juni:
Die Bankenkrise samt Zusammenbruch der EU sorgt für eine Rückkehr des Protektionismus weltweit. Der Welthandel kommt weiter ins Stocken. Neben Deutschland ist hiervon insbesondere China betroffen. In den Niederlanden sorgt eine konservativ-rechtsadikale Koalition dafür, dass Geert Wilders Ministerpräsident wird. Er fordert die endgültige Auflösung der EU und kündigt den Austritt seines Landes an. Die Präsidenten Trump, Erdogan und Putin beschließen ein gemeinsames vorgehen im Syrienkonflikt. Zwei Wochen später existiert Damaskus nicht mehr. Erdogan lässt an der Grenze scharf auf syrische Flüchtlinge schießen.

Juli:
Die Regierung Merkel findet kein Rezept gegen einbrechende Exportmärkte. Die Zustimmung für die AfD liegt nunmehr bei 27 Prozent. In den USA werden kritische Medien immer öfters zu Verrätern gestempelt – ganz nach britischem Vorbild. Vorreiter hierbei sind Rupert Murdochs Medienhäuser. Präsident Trump nutzt dies, um seine Machtposition zu festigen. In Frankreich werden Pläne bekannt, dass Präsidentin Le Pen Franzosen nordafrikanischer Herkunft die Staatsbürgerschaft entziehen will und ihre Deportation plant. Es kommt zu Bürgerkriegsähnlichen Unruhen. Le Pen verschärft den seit den Pariser Anschlägen bestehenden Ausnahmezustand. FN-Gegner werden inhaftiert.

August:
Die Deportation von 11 Millionen illegalen Immigranten aus den USA beginnt. Die Baubranche sowie andere arbeitsintensive Branchen erleiden schwere Einbrüche. Die Deportationen verschärfen die Situation in Mexiko. Dort hat die Regierung große Teile des Nordens inzwischen komplett an sich bekriegende Drogenkartelle verloren. Diese versuchen, mit Waffengewalt andere Wirtschaftszweige unter ihre Kontrolle zu bringen, nachdem in den USA immer mehr Bundesstaaten, dem kalifornischen Beispiel folgend, Cannabis entkriminalisieren.

September:
Russland kritisiert die rechtliche Lage der russischen Minderheiten im Baltikum und fordert Besserung. Die Regierungschefs der baltischen Staaten bitten die Nato um beistand. Präsident Trump rät ihnen, auf die seiner Ansicht nach berechtigten russischen Forderungen einzugehen. Deutschland, Schweden und Polen geben den baltischen Staaten Beistandsversprechen. In Nordirland wachsen derweil die Spannungen in der Bevölkerung aufgrund der neu aufgebauten Grenze zwischen diesem britischen Teil der Insel und der Republik Irland im Süden. In Italien wird Gianfranco Fini von der Alleanza Nazionale zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Zusammen mit Frankreich, den Visegrad-Staaten, dem inzwischen von der FPÖ regierten Österreich und der Türkei werden Verhandlungen über einen gemeinsamen Wirtschaftsraum angesetzt – jedoch ohne supranationale Institutionen.

Oktober:
Bei der Bundestagswahl wird die AfD stärkste Partei mit 35 Prozent. Die CDU fällt auf 16 Prozent, die SPD auf 14 Prozent. Grüne, Linkspartei und FDP holen jeweils um die 10 Prozent. Angela Merkel tritt als CDU-Vorsitzende zurück. Ihre Nachfolgerin wird Julia Klöckner. Sie wird Vizekanzlerin unter Kanzlerin Frauke Petry. Die USA ziehen ihre Truppen aus Europa ab. Russland besetzt die drei baltischen Republiken. Deutschland zieht sein Beistandsversprechen zurück, Polen und Schweden nicht. Russische Truppen stoßen bis nach Warschau vor und versenken die schwedische Flotte.

November:

Frankreichs Präsidentin Le Pen bezeichnet die belgischen Städte Charleroi und Liège als „alte französisische Städte“, Geert Wilders lässt die Forderungen des belgischen Vlaamse Belang zum Anschluss an die Niederlande unkommentiert. Russland zieht sich aus Polen sowie aus schwedischen Gewässern zurück, bleibt aber neuer Hegemon in Ost- und Nordeuropa. Ein allgemeines Aufrüsten beginnt …

Ich wache auf. Es ist der 9. November 2016, 7 Uhr früh. Ich setze Kaffee auf und werfe einen Blick auf meine Lieblingsnachrichtenseiten. Hillary Clinton wurde mit großem Abstand zur 45. Präsidentin der USA gewählt. War ja zu erwarten. Aber was für ein blöder Traum.

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