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Make Bosenheim great again 2.0 – Ein neues Schild

tl;dr: Die Planiger wollen keine Moschee im Gewerbegebiet? Dann gehört das Areal eben wieder zu Bosenheim – wie früher. Ätschibätsch!

Manchmal beweist die Stadtverwaltung Bad Kreuznach eine gewisse Kreativität. Jetzt wurden im neuen Gewerbegebiet P7 am Grenzgraben, also hinter dem Flugplatzkreisel, dort wo Disco und Gartencenter stehen und die neue Ditib-Moschee stehen sollte, einfach neue Ortsschilder aufgestellt. Das Gewerbegebiet gehört demnach nun zum Stadtteil Bosenheim, nicht mehr zum Stadtteil Planig, wie es zuvor auf den Schildern zu lesen war. Das klingt banal, hat aber wohl einen sehr politischen Hintergrund. Spekulieren Sie mit:
Ob die Stadtverwaltung die Schilder wohl aufstellen ließ, damit der Geschichte Gerechtigkeit getan wird? Denn dieses Gebiet, der Grenzgraben, war tatsächlich einmal Bosenheimer Gemarkung – bis zur Eingemeindung in die Stadt Ende der 60er-Jahre. Das könnte selbstverständlich sein. Allerdings fehlen dann ein paar Schilder – und zwar alle an der alten Grenze zwischen Bosenheim und Bad Kreuznach. Die verlief übers Firmenareal der heutigen Michelinwerke. An den Straßen dort stehen aber keine Ortsschilder. Nur entlang der alten Grenze mit Planig. Seltsam.

Vielleicht geht es ja darum, die Sache mit der Ditib-Moschee doch noch gewuppt zu bekommen. Wir erinnern uns: Die Ditib-Gemeinde Bad Kreuznach gab Anfang des Jahres bekannt, dass ihre alte Moschee in einem ehemaligen Wohnhaus in der Mühlenstraße zu klein sei und dass sie daher neu bauen wolle. Am Grenzgraben. Da stört man keine Nachbarn, weil’s ein Gewerbegebiet ist, da können die Gemeindemitglieder, die ja nicht nur aus der Stadt stammen, bequem mit dem Auto anreisen.

Wenn etwas in einem Stadtteil geschieht, nimmt der Ortsbeirat Stellung. So auch in diesem Fall. Und damals stand auf den Ortsschildern im Gewerbegebiet noch „Stadtteil Planig“. Der Ortsbeirat Planig führte damals so ziemlich alles ins Feld, was man gegen die Moschee ins Feld führen kann – ob berechtigt oder nicht: Moscheen zahlen keine Gewerbesteuern, der Verkehr würde zunehmen, die Parkplatzanzahl sei zu gering bemessen und überhaupt Erdogan.

In Bosenheim ist das Gewerbegebiet weit weg vom Dorf. Deutlich weiter als in Planig. Man kann es noch nicht einmal sehen. Und Bosenheims bekanntester rechtsneigender Lautsprecher, Werner Lorenz, hat sich mit seinem Anti-Moschee-Transparent nahe dem Baugrund schließlich schon genügend in die Nesseln gesetzt. Vielleicht lassen die Bosenheimer eher mit sich reden als die Planiger. Und führen nicht gar so absurde Argumente gegen den im September übrigens vertagten Moscheebau ins Feld. Netter Schachzug, liebe Stadtverwaltung. Denn Bosenheimer können ja nur eins nicht ab: dass man sie für Planiger hält. Diese Verwechslungsgefahr könnten sie womöglich bald schon auf lange Zeit bannen: Mit einer liberaleren Haltung zum Moscheebau. In ihrem neuen Gewerbegebiet.

 

Foto: Lisa Mohr

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